Mit 16 Sculls auf der Trave

Wir kamen in Lübeck an – und es lachte die Sonne. So hatten wir das Wetter für unseren Drei-Tage-Trip schon mal auf unserer Seite. Zumal es durchweg freundlich blieb. Da die Unterbringung in der modernen Jugendherberge ‚Am Burgtor’ gut und das Essen im ‚Paulaner’ reichlich waren, lief die ausgelassene Stimmung des Traditionsachters auf vollen Touren. Von Anfang an.
Erster Tag: Drei Stunden Stadtbesichtigung. Der Ehrenpräsident des Lübecker Ruder-Klubs Dr. Carsten Groth hat sich als Guide erboten. Ein außergewöhnlicher Mann. Er war früher Arzt, verfügt über profunde Geschichtskenntnisse, ist Anfang 90 und rudert immer noch! Er zieht mit uns durch das von der Trave umschlossene ehrwürdige Altstadtoval. Vorbei an prachtvollen Kirchen, dem großartigen Rathaus, dem weltberühmten Holsten-Tor und anderen historischen Bauten, die auch heute noch den Geist der Hanse reflektieren. Vom Turm der Petrikirche (50 m), einem Juwel der Backsteingotik, können wir uns überzeugen, dass Lübeck – trotz Bombardierung 1942 – ein architektonischer Leckerbissen ist. Ein Leckerbissen wie das Marzipan von Niederegger.
Daran anschließend werden im Lübecker Ruder-Klub die beiden Doppelvierer gecheckt. Gute Boote. Mit ihnen wollen wir am nächsten Tag auf große Fahrt in Richtung Travemünde gehen.
Zweiter Tag: Wir starten gegen neun Uhr. Die RCHB-Flaggen werden gesetzt. Vor uns liegen runde 15 km bis Schlutup. Gern wären wir noch bis Travemünde (Ostsee) gefahren. Aber dafür ist die Zeit zu knapp.
So geht’s auf der Trave vorbei an herrlichen Villen in grüner Natur, an historischen Kaufmannshäusern, durch den Binnenhafen, wo gerade die Holzladung eines Kümos (Küstenmotorschiffs) gelöscht wird, durch eine zauberhafte Landschaft mit dem Fischeridyll Gothmund. Dort wimmelt es allerdings von Segel- und Motoryachten. Wir fahren über den Breitling, einen kleinen See, der uns mit heftigem Wind und Wellen begrüßt. Aber gleich danach erreichen wir an der malerischen Schlutuper Wiek den dortigen Segelverein. Dort legen wir an.
Wir sitzen in einem offenen Pavillon direkt am Wasser. Die Sonne lacht. Frischer Wind kommt von der Trave zu uns herüber. Das Bier fließt. Das Essen ist reichlich und gut, die Kellnerin nett. Bombenstimmung!
Auf der Rückfahrt begegnen wir einer gigantischen Hochseefähre mit Kurs auf Helsinki. Wie ein Hochhaus gleitet sie dicht an uns vorbei. Da merkt man erst, wie klein Doppelvierer sind…
Abends sitzen wir alle in der Jugendherberge vor dem Fernseher. WM der Frauen gegen Japan. Die Pleite ist bekannt.
Dritter Tag: ‚Stern von Lübeck’ Doppelachter! Das heißt: Premiere für die Crew des Traditionsachters, dessen Mannschaft noch nie in einem Doppelachter gefahren ist. 16 Sculls – ein herrliches Bild. Wir fahren zuerst ein Stück auf der Wakenitz (Richtung Ratzeburg). Dann zurück auf die Trave – und rund um die Lübecker Altstadt (etwa 10 km). Von weitem grüßen die sieben Kirchtürme, sichtbare Zeichen der alten Hanseherrlichkeit.
Doch unser Lübeck-Trip geht nun zu Ende. Wir bringen den Doppelachter zurück in die Bootshalle. Ein tolles Erlebnis, für das wir dem Lübecker Ruder-Klub und die echte Ruderer-Kameradschaft danke sagen.
Es ist Mittagszeit. Wir beschließen, vor der Heimfahrt das traditionsreiche Ostseebad Travemünde zu besuchen. Wieder strahlt die Sonne. Auf der Promenade lustwandeln die Touristen. Gegenüber liegt die Viermastbark ‚Passat’, das Schwesterschiff der ‚Pamir’, die 1957 mit 80 Mann gesunken ist. Uns zieht’s erst einmal zu den leckeren Fischbrötchen und einem frischen Bier. Dann teilt sich die Crew zum Bummeln und Baden. Und schließlich geht’s auf Heimatkurs. Ein langes schönes Wochenende mit Sport und Spaß ist leider zu Ende.
Fazit: Rudern kann harter Sport sein. Rudern kann aber auch wunderbare Entspannung, Naturerlebnis und Erholung sein. Also körperliche Ertüchtigung und seelische Wellness. Der Traditionsachter hat mit seinem Lübeck-Trave-Trip wieder einmal gezeigt, dass man Sport und Spaß miteinander verbinden kann. Über allem aber stand (und steht) die Kameradschaft, die ich als ‚Newcomer’ besonders genossen habe. Danke auch dem rührigen Organisator Klaus Schönhoff!
Horts Lietzberg




